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Gesundheit

Arbeitszeugnis Pflegefachfrau: Muster, Formulierungen und Note

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Ein Arbeitszeugnis als Pflegefachfrau muss drei Dinge benennen: den Fachbereich samt Versorgungsform, die selbstständig getragene Pflegeverantwortung und die Zusammenarbeit mit Patientinnen, Angehörigen und dem interprofessionellen Team. Fehlt einer dieser Teile, liest eine Pflegedienstleitung das als Aussage und nicht als Versehen. Dazu kommt eine Schweizer Besonderheit: Der formale Titel verrät wenig über den Alltag. Ob jemand als diplomierte Pflegefachfrau HF auf einer Akutabteilung, in der Langzeitpflege oder in der Spitex gearbeitet hat, entscheidet darüber, ob die Aufgaben überhaupt vergleichbar sind. Ein gutes Zeugnis macht diesen Kontext sichtbar, bevor es die Leistung bewertet.

Auch gesucht als: Pflegefachmann, Pflegefachperson, Dipl. Pflegefachfrau HF, Krankenschwester (Diplomierte Pflegefachfrau HF)

Typische Aufgaben als Pflegefachfrau

Diese Tätigkeiten gehören in den Aufgabenteil des Zeugnisses. Was dort fehlt, existiert für die lesende Person nicht.

  • Pflegeprozess der eigenen Bezugspatientinnen planen, durchführen, auswerten und laufend anpassen
  • Medikamente richten und verabreichen, Injektionen und Infusionen nach ärztlicher Verordnung
  • Wundversorgung, Verbandwechsel und Überwachung der Vitalzeichen
  • Pflegedokumentation im elektronischen System vollständig und zeitnah führen
  • Eintritts-, Austritts- und Angehörigengespräche führen
  • Tagesverantwortung im Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdienst übernehmen
  • Lernende FaGe und Studierende HF anleiten und ihre Praxiseinsätze begleiten
  • Rapporte und Übergaben mit Ärzteschaft, Therapie und Sozialdienst
  • Mitwirkung bei Notfällen sowie in der palliativen Begleitung

Formulierungen im Arbeitszeugnis als Pflegefachfrau

Beispielsätze mit der Note, die sie in der Schweizer Zeugnispraxis ergeben, und der Begründung dazu.

sehr gut

«Frau Muster führte alle pflegerischen Massnahmen jederzeit fachlich einwandfrei und hygienisch korrekt aus und behielt auch bei hoher Auslastung die Prioritäten ihrer Bezugspatientinnen sicher im Blick.»

«Jederzeit» zusammen mit «einwandfrei» ist die oberste Stufe. Entscheidend ist aber der zweite Halbsatz: Er belegt das Urteil an einer Situation, die im Pflegealltag wirklich vorkommt, statt es nur zu behaupten. Genau daran unterscheidet eine Pflegedienstleitung ein erarbeitetes von einem geschenkten Spitzenzeugnis.

gut

«Sie plante den Pflegeprozess sorgfältig und dokumentierte ihre Beobachtungen vollständig und nachvollziehbar.»

«Sorgfältig» und «vollständig» sind solide Wörter ohne Steigerung, das ergibt eine gute und keine sehr gute Bewertung. Für die Pflege ist der Satz trotzdem wertvoll, weil die Dokumentation der Teil der Arbeit ist, den eine neue Arbeitgeberin am schlechtesten selbst überprüfen kann und deshalb aus dem Zeugnis übernehmen muss.

genügend

«Bei der Medikamentenverabreichung hielt sie sich an die Vorgaben.»

Das Einhalten von Richtlinien ist eine Grundpflicht und keine Leistung. Wer sie eigens hervorhebt, sagt damit, dass es daneben wenig zu loben gab. In der Pflege wiegt dieser Satz zusätzlich schwer, weil er ausgerechnet den sicherheitsrelevanten Bereich berührt und dort Zweifel sät, wo keine stehen dürften.

sehr gut

«Gegenüber Patientinnen und Patienten, deren Angehörigen sowie dem interprofessionellen Team verhielt sie sich stets zuvorkommend und wertschätzend, auch in belastenden Situationen.»

Die Verhaltensbeurteilung in der Pflege muss drei Gruppen nennen. Fehlt eine davon, ist das für geübte Leserinnen eine Aussage über genau diese Gruppe. Der Zusatz zu den belastenden Situationen ist berufstypisch und hebt den Satz über die übliche Höflichkeitsformel hinaus.

ungenügend

«Im Nachtdienst arbeitete sie selbstständig.»

Eine reine Tätigkeitsangabe ohne jede Bewertung. Bleibt ausgerechnet der anspruchsvollste Dienst unbewertet, während der Rest des Zeugnisses lobt, entsteht ein Bruch. Wer täglich Bewerbungen aus der Pflege liest, bemerkt ihn sofort und deutet ihn zu Ihren Ungunsten.

Häufige Fallstricke im Zeugnis als Pflegefachfrau

Schicht-, Nacht- und Wochenenddienst kommen nicht vor

Wird der Dienstplanalltag im Zeugnis verschwiegen, wirkt Ihr Einsatz wie reine Tagdienstarbeit. In der Pflege ist die Schichttauglichkeit ein Auswahlkriterium; wer sie nicht belegen kann, muss sie im Vorstellungsgespräch nachträglich beweisen. Verlangen Sie eine Ergänzung, die den Wechsel zwischen Früh-, Spät- und Nachtdienst und die dort getragene Verantwortung nennt.

Diesen Zeugnis-Code nachlesen: «zentrale Leistungsmerkmale ohne jede Aussage»

Die Angehörigenarbeit bleibt «korrekt»

Gespräche mit Angehörigen gehören in der Pflege zu den anspruchsvollsten Situationen überhaupt, oft in Ausnahmezuständen. Wird dieser Teil mit einem farblosen Wort abgehandelt, während Patientinnen und Team gelobt werden, ist das kein Zufall der Wortwahl, sondern das übliche Muster für eine gezielte Abwertung an einer einzelnen Stelle.

Diesen Zeugnis-Code nachlesen: «sein Verhalten war korrekt»

«Stets bemüht» in der Leistungsbeurteilung

Der bekannteste Abwertungscode überhaupt trifft die Pflege besonders hart, weil er dort auf Sorgfaltspflichten trifft. Wer sich um eine sichere Medikation nur bemüht hat, hat sie nach dieser Lesart nicht erreicht. Der Satz gehört ersetzt, bevor Sie das Zeugnis irgendwo einreichen.

Diesen Zeugnis-Code nachlesen: «war stets bemüht»

Der Aufgabenteil nennt die Fachrichtung nicht

«Pflege von Patientinnen und Patienten» beschreibt alles und nichts. Ohne Fachbereich, Patientengruppe und Angabe zur Bezugspflege kann niemand einschätzen, ob Sie eine Akutabteilung, eine Demenzabteilung oder eine Spitex-Tour geführt haben. Diese Angaben sind der Teil des Zeugnisses, der Ihnen im Bewerbungsverfahren am meisten nützt.

Diesen Zeugnis-Code nachlesen: «pauschale, generische Aufgabenbeschreibung»

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Ihr Zeugnis als Pflegefachfrau entschlüsseln

Lesen Sie Ihr Zeugnis in der Reihenfolge, in der es eine Pflegedienstleitung liest: zuerst den Aufgabenteil, dann die Beurteilung, zuletzt die Schlussformel. Prüfen Sie im Aufgabenteil, ob Fachbereich, Patientengruppe und der Umfang Ihrer Bezugspflege stehen. Prüfen Sie in der Beurteilung, ob Fachkompetenz, Dokumentation und Zusammenarbeit je einen eigenen Satz erhalten. Fehlt eine dieser drei Säulen oder bleibt sie ohne Wertung, ist genau das der Punkt, an dem Sie nachfragen sollten, bevor Sie sich bewerben.

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Häufige Fragen zum Arbeitszeugnis als Pflegefachfrau

Was muss in einem Arbeitszeugnis als Pflegefachfrau zwingend stehen?

Der Fachbereich mit Versorgungsform, die konkret übernommene Pflegeverantwortung, eine Beurteilung von Fachkompetenz und Zusammenarbeit sowie eine Schlussformel. Nach Art. 330a OR haben Sie Anspruch auf ein wahres, wohlwollendes, vollständiges und klares Zeugnis. Vollständig heisst in der Pflege, dass die für die Stellensuche wesentlichen Angaben zu Einsatzgebiet und Verantwortung nicht fehlen dürfen.

Muss die Abteilung im Zeugnis genannt werden?

Sie dürfen es verlangen, denn ohne Abteilung ist nicht erkennbar, welche Pflegeleistungen Sie erbracht haben. Akutpflege, Langzeitpflege und Spitex stellen völlig verschiedene Anforderungen an dieselbe Person. Bitten Sie um eine Ergänzung mit Fachbereich, Patientengruppe und Einsatzdauer; das ist eine sachliche Korrektur und keine Schönung.

Wie erkenne ich, ob mein Pflegezeugnis gut oder nur höflich ist?

Zählen Sie die Sätze, die eine Leistung belegen, statt sie zu behaupten. Ein gutes Pflegezeugnis nennt Situationen: Belastungsspitzen, Notfälle, die Anleitung von Lernenden, schwierige Angehörigengespräche. Ein bloss höfliches Zeugnis bleibt bei allgemeinen Eigenschaften und wiederholt Selbstverständlichkeiten wie Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit.

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