Zeugnis-Check
Gastronomie

Arbeitszeugnis Servicemitarbeiter: Formulierungen, Muster und Note

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In der Gastronomie wird ein Arbeitszeugnis für Servicemitarbeiter an vier Punkten gemessen: am genannten Betriebstyp samt Servicestil, am verantworteten Arbeitsbereich, an der Gastgeberqualität am Tisch und am Umgang mit Kasse und Abrechnung. Wer einen dieser Punkte nicht findet, hält ein Papier in der Hand, das über die eigentliche Arbeit schweigt. Eine Schweizer Eigenheit kommt hinzu: Zwischen einem Saisonbetrieb im Berggebiet, einem Bahnhofbuffet mit hohem Durchlauf und einem Haus mit gehobener À-la-carte-Küche liegen Welten, obwohl im Zeugnis dreimal dieselbe Funktion stehen kann. Wer als Restaurationsfachmann EFZ gelernt hat, sollte deshalb darauf achten, dass Betriebsart, Gästestruktur und Serviceform benannt sind, bevor überhaupt eine Bewertung folgt.

Auch gesucht als: Servicemitarbeiterin, Restaurationsfachfrau EFZ, Servicefachkraft, Chef de rang, Kellner (Restaurationsfachmann EFZ)

Typische Aufgaben als Servicemitarbeiter

Diese Tätigkeiten gehören in den Aufgabenteil des Zeugnisses. Was dort fehlt, existiert für die lesende Person nicht.

  • Mise en place vor dem Service: eindecken, Gläser und Besteck polieren, Stationen bestücken
  • Gäste empfangen, platzieren und den Reservationsplan über den ganzen Abend hinweg koordinieren
  • Beratung zu Tagesempfehlungen, passender Weinbegleitung und Allergenen in Absprache mit der Küche
  • Bonieren am Kassensystem, eigene Kasse abrechnen und Trinkgeld nach Betriebsregelung erfassen
  • Getränke, Apéros und Kaffeespezialitäten an der Bar zubereiten und ausschenken
  • Bankette, Hochzeiten und Firmenanlässe im Team betreuen, vom Apéro bis zum Ausklang
  • Reklamationen am Tisch aufnehmen, Ersatz organisieren und den Fall mit der Restaurationsleitung klären
  • Hygiene- und Selbstkontrollvorgaben im Restaurant- und Barbereich einhalten
  • Lernende Restaurationsfachleute im Servicealltag anleiten und auf der Station einsetzen

Formulierungen im Arbeitszeugnis als Servicemitarbeiter

Beispielsätze mit der Note, die sie in der Schweizer Zeugnispraxis ergeben, und der Begründung dazu.

sehr gut

«Herr Muster führte seine Station auch an vollbesetzten Abenden jederzeit souverän, hielt den Takt zwischen Küche und Gast sicher und beriet unsere Gäste ausgesprochen kompetent zur Weinbegleitung.»

«Jederzeit souverän» ist die oberste Stufe, doch getragen wird der Satz vom Nachweis. Der volle Abend, der Takt zur Küche und die Weinberatung sind genau die Prüfsteine, an denen sich im Service echte Klasse zeigt. Eine Restaurationsleitung erkennt daran, dass hier jemand geschrieben hat, der die Person im Betrieb tatsächlich arbeiten sah.

sehr gut

«Gegenüber unseren Gästen, dem Küchenteam und den Vorgesetzten verhielt sie sich jederzeit zuvorkommend und aufmerksam, auch in hektischen Servicephasen.»

Im Service muss die Verhaltensbeurteilung die Küche ausdrücklich mitnennen. Die Schnittstelle am Pass ist die konfliktträchtigste Stelle des Betriebs, und wer sie auslässt, sagt damit etwas über genau dieses Verhältnis. Der Zusatz zu den hektischen Phasen macht aus einer Höflichkeitsformel eine belastbare Aussage.

gut

«Die ihr übertragenen Serviceaufgaben erledigte sie stets zu unserer vollen Zufriedenheit und empfahl unseren Gästen die Tageskarte aktiv.»

«Stets zu unserer vollen Zufriedenheit» entspricht der Note 5, also einem klaren Gut ohne Steigerung ins «vollste». Der aktive Zusatzverkauf ist im Service kein Nebensatz, sondern das Merkmal, das den Umsatz je Tisch bestimmt. Für ein Bewerbungsdossier in der Gastronomie ist diese Kombination solide und unverdächtig.

genügend

«Beim Ausschank alkoholischer Getränke hielt er sich an die Vorgaben zum Jugendschutz.»

Der Jugendschutz beim Ausschank ist eine Grundpflicht jeder Servicekraft und keine Leistung. Wird ausgerechnet sie eigens erwähnt, liest die Branche das als Hinweis, dass es sonst wenig zu loben gab, und zusätzlich als Andeutung, dass dieser Punkt einmal ein Thema war. Beides ist an dieser Stelle Gift.

ungenügend

«Reklamationen leitete sie jeweils an die Restaurationsleitung weiter.»

Eine reine Tätigkeitsangabe ohne Wertung, und zwar bei der Kernkompetenz des Berufs. Wer im Service arbeitet, soll den unzufriedenen Gast selber zurückgewinnen, nicht nur den Vorgesetzten holen. Der Satz beschreibt damit eine Person, die man am Tisch nicht allein lassen konnte, ohne dass ein einziges kritisches Wort fällt.

Häufige Fallstricke im Zeugnis als Servicemitarbeiter

«Gesellig» und «trug zum guten Betriebsklima bei»

Diese Wortwahl ist in jeder Branche heikel, im Gastgewerbe aber besonders. Weil hier Personalgetränke, Apérorunden und das Feierabendbier nach Schichtende zum Alltag gehören, liest die Branche den Satz sofort als Andeutung auf Alkohol während oder unmittelbar nach der Arbeit. Verlangen Sie ersatzlose Streichung und stattdessen eine Aussage zur Zusammenarbeit im Serviceteam.

Diesen Zeugnis-Code nachlesen: «galt als geselliger Mitarbeiter, der zur Verbesserung des Betriebsklimas beitrug»

Ehrlichkeit als grösstes Lob

Steht «stets ehrlich und zuverlässig» als stärkster Satz im Zeugnis, ist das im Service keine harmlose Floskel. Sie führen täglich eine eigene Kasse, kassieren bar und rechnen Trinkgeld ab. Wer die Ehrlichkeit eigens hervorhebt, weckt den Verdacht auf Kassendifferenzen, obwohl kein Vorfall behauptet wird. Bestehen Sie auf einer echten Leistungsaussage zu Servicequalität und Beratung.

Diesen Zeugnis-Code nachlesen: «war stets pünktlich und ehrlich»

Die Gäste fehlen in der Verhaltensbeurteilung

Werden nur Vorgesetzte und Arbeitskollegen genannt, fehlt ausgerechnet die Gruppe, für die Sie den ganzen Tag arbeiten. In einem Beruf, dessen Kern die Gastgeberrolle ist, wiegt diese Auslassung schwerer als anderswo: Sie legt nahe, dass es am Tisch Vorfälle gab. Die Ergänzung ist sachlich zwingend und leicht zu begründen.

Diesen Zeugnis-Code nachlesen: «Verhaltensbeurteilung ohne Kundschaft bei Kundenkontakt»

Betriebsart und Serviceform bleiben ungenannt

«Bedienung der Gäste» beschreibt eine Bahnhofbeiz gleich wie ein Bankett für Hunderte von Personen. Ohne Angabe zu Betriebsart, Anzahl geführter Stationen, Bankett- oder À-la-carte-Betrieb und Saison kann keine Personalverantwortliche einschätzen, welches Tempo und welches Niveau Sie gewohnt sind. Genau diese Angaben entscheiden in der Gastronomie über die Einladung zum Probearbeiten.

Diesen Zeugnis-Code nachlesen: «pauschale, generische Aufgabenbeschreibung»

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Lesen Sie zuerst die Kopfzeile und die Funktionsangabe: Steht dort Ihre tatsächliche Rangbezeichnung, also Commis de rang, Demi-chef de rang oder Chef de rang, oder nur das farblose Wort Servicekraft? Prüfen Sie danach, ob alle Saisons und Betriebsteile lückenlos aufgeführt sind, Sommer- wie Wintersaison, Restaurant wie Bankett. Erst dann die Bewertung: Fachwissen, Tempo unter Druck und Gästekontakt brauchen je einen eigenen Satz. Bleibt einer davon aus, notieren Sie ihn und sprechen Sie ihn an, solange die Restaurationsleitung Sie noch vor Augen hat.

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Häufige Fragen zum Arbeitszeugnis als Servicemitarbeiter

Was muss in einem Arbeitszeugnis als Servicemitarbeiter zwingend stehen?

Betriebsart und Servicestil, Ihre Funktion mit der branchenüblichen Rangbezeichnung, der verantwortete Bereich samt Kassenführung, eine Beurteilung von Servicequalität und Gästekontakt sowie eine Schlussformel. Nach Art. 330a OR haben Sie Anspruch auf ein wahres, wohlwollendes, vollständiges und klares Zeugnis. Vollständig heisst im Gastgewerbe, dass die für eine neue Anstellung wesentlichen Angaben zu Betrieb, Serviceform und Verantwortung nicht fehlen dürfen.

Bekomme ich nach einer einzelnen Saison ein vollwertiges Zeugnis?

Ja. Auch ein befristeter Saisoneinsatz endet mit einem Vollzeugnis, sobald Sie es verlangen; ein blosses Arbeitsbestätigungsschreiben müssen Sie nicht akzeptieren. Achten Sie darauf, dass Beginn und Ende der Saison, der Betriebsteil und die geleisteten Serviceformen genannt werden. Wer über Jahre in denselben Betrieb zurückkehrt, lässt sich die wiederholten Einsätze am besten in einem einzigen Zeugnis zusammenfassen.

Darf eine Kassendifferenz im Arbeitszeugnis erwähnt werden?

Ein einzelner Vorfall gehört nicht ins Zeugnis, weil dieses das Gesamtbild der Anstellung wiedergeben soll und keine Einzelereignisse. Erst wenn wiederholte, belegte Differenzen das Arbeitsverhältnis prägten, darf der Arbeitgeber sie sachlich benennen. Ein blosser Verdacht ist unzulässig, und verpackte Andeutungen wie ein betontes Lob der Ehrlichkeit sind es ebenfalls, weil sie das Klarheitsgebot verletzen.

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