Was bedeutet «gesellig» oder «trug zum Betriebsklima bei» im Arbeitszeugnis?
«galt als geselliger Mitarbeiter, der zur Verbesserung des Betriebsklimas beitrug»
Was bedeutet das?
Was freundlich klingt, ist einer der schwersten Verhaltens-Codes der Zeugnissprache: Die betonte Geselligkeit — besonders in Kombination mit dem Betriebsklima — ist die klassische Anspielung auf Alkohol am Arbeitsplatz oder auf ein Übermass an geselligen Aktivitäten während der Arbeitszeit. Die Formulierung stammt aus einer Zeit, in der man Kritik nicht offen schreiben wollte, und hat sich als Chiffre gehalten. Zur Abgrenzung: Ein echtes Lob für Teamfähigkeit klingt anders — «arbeitete sehr gut im Team», «war eine geschätzte Ansprechperson». Das Wort «gesellig» selbst hat in einem Arbeitszeugnis praktisch nie eine harmlose Funktion.
Wirkung auf die Note
Kritisch: Dieser Code deckelt die Gesamtnote bei 4.0, unabhängig davon, wie gut der Rest des Zeugnisses formuliert ist. Die Verhaltensdimension fällt deutlich ab, und die Zeugnis-Ampel steht höchstens auf Gelb — bei weiteren Befunden auf Rot.
Was tun?
Verlangen Sie sofort eine Korrektur: Die Formulierung ist als Codierung unzulässig, weil sie das Klarheitsgebot verletzt — sie transportiert eine schwerwiegende Andeutung, ohne sie zu benennen. Fordern Sie eine klare, unverfängliche Aussage zum Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kolleginnen und Kollegen sowie Kundschaft. Diesen Satz sollten Sie in keiner Bewerbung stehen lassen; falls der Arbeitgeber mauert, ziehen Sie eine Rechtsberatung bei — der Korrekturanspruch ist hier besonders gut begründbar.
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