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Zwischenzeugnis: Wann Sie eines verlangen sollten — und wie

Vorgesetztenwechsel, Reorganisation, Bewerbung, Konflikt: In diesen Momenten sichert ein Zwischenzeugnis Ihre Bewertung — bevor sie jemand neu schreibt.

Das Zwischenzeugnis ist das unterschätzteste Dokument des Schweizer Arbeitslebens. Viele verlangen es erst, wenn sie es dringend brauchen — und damit oft zu spät. Dabei ist die Ausgangslage komfortabel: Während des laufenden Arbeitsverhältnisses haben Sie jederzeit Anspruch auf ein Zwischenzeugnis, ohne Begründung und ohne besonderen Anlass. Es beurteilt dasselbe wie ein Schlusszeugnis — Aufgaben, Leistung, Verhalten —, nur eben mitten im Arbeitsverhältnis und darum im Präsens.

Der eigentliche Wert des Zwischenzeugnisses liegt aber nicht im Dokument selbst, sondern im Zeitpunkt: Es friert eine Bewertung ein, bevor jemand sie neu schreiben kann.

Die fünf richtigen Momente

  • Ihre vorgesetzte Person wechselt: Die Person, die Ihre Leistung am besten kennt, verlässt das Unternehmen oder das Team. Sichern Sie sich ihre Beurteilung, bevor jemand übernimmt, der Ihre Arbeit noch nie gesehen hat.
  • Reorganisation, Fusion oder Übernahme: Wenn Strukturen kippen, gehen Bewertungsmassstäbe und Zuständigkeiten verloren — und mit ihnen die Grundlage für ein faires späteres Zeugnis.
  • Vor einer externen Bewerbung: Ein aktuelles Zwischenzeugnis gehört zu einem vollständigen Dossier, wenn die letzte Station schon einige Jahre dauert — was Recruiter erwarten, lesen Sie hier.
  • Wenn sich ein Konflikt abzeichnet: Verlangen Sie das Zeugnis, solange die Beurteilung noch unbelastet ist. Nach der Eskalation ist es dafür zu spät.
  • Nach einem grossen Erfolg: Projektabschluss, Beförderung, ein starkes Jahr — halten Sie die Bewertung fest, solange der Erfolg frisch ist.

Ihre Versicherung gegen ein schwaches Schlusszeugnis

Das Zwischenzeugnis hat eine Eigenschaft, die es zur Versicherung macht: Ein späteres Schlusszeugnis darf nicht ohne sachlichen Grund wesentlich davon abweichen. Wer im Zwischenzeugnis ein «stets zu unserer vollen Zufriedenheit» attestiert hat, muss erklären können, warum das Schlusszeugnis plötzlich kühler klingt — etwa durch einen dokumentierten Bruch im Bewertungsverlauf. Ohne solche Gründe ist das Zwischenzeugnis Ihr stärkstes Argument in der Korrektur-Verhandlung.

Deshalb gilt die Faustregel: alle ein bis zwei Jahre ein Zwischenzeugnis — und zwingend vor jeder absehbaren Veränderung, sei es Ihre eigene Kündigungsabsicht oder ein Umbau im Unternehmen.

Worauf Sie beim Erhalt achten

Ein Zwischenzeugnis steht durchgehend im Präsens, denn das Arbeitsverhältnis dauert an. Rutscht der Text in die Vergangenheitsform, lesen HR-Profis das als Signal, dass man innerlich schon Abschied genommen hat — eines der bekanntesten Warnzeichen der Zeugnissprache.

Inhaltlich gelten dieselben Skalen wie im Schlusszeugnis: Zufriedenheitsskala, Konstanz-Wörter, Verhaltensbeurteilung. Ein Zwischenzeugnis, das Sie heute freundlich findet, kann codiert ein Genügend sein — prüfen Sie es mit dem Quick-Check, solange Sie die Korrektur noch aus einer starken Position verlangen können.

So verlangen Sie es

Eine formlose Nachricht an Ihre vorgesetzte Person oder das HR genügt. Sie müssen keinen Grund nennen — ein neutraler Anlass («nach Abschluss des Projekts», «zur Vervollständigung meiner Unterlagen») wirkt aber natürlicher und vermeidet Spekulationen über Wechselabsichten. Eine fertige Vorlage zum Kopieren finden Sie hier.

Noch ein Hinweis zur Dosierung: Wer jedes halbe Jahr ein Zwischenzeugnis verlangt, weckt genau die Fragen, die er vermeiden will. Der Anspruch ist zeitlich nicht begrenzt — Ihr Timing sollte es sein.

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