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Arbeitszeugnis Kaufmann: Vorlage, Formulierungen und was die Note bedeutet

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«Kaufmännische Sachbearbeitung» ist wohl die nichtssagendste Zeile, die in einem Zeugnis stehen kann. Sie passt auf jemanden, der Zahlungsläufe auslöst, ebenso wie auf jemanden, der Offerten kalkuliert oder die Telefonzentrale bedient. Bei einem Kaufmann trägt deshalb der Aufgabenteil die ganze Last: Branche, Abteilung, die bedienten Systeme und der Umfang der eigenen Verantwortung. Das Berufsbild ist in der Schweiz bewusst breit angelegt, und die Ausbildungsbranche taucht im späteren Zeugnis meist nirgends mehr auf. Treuhand, Industrie, Versicherung und Gemeindeverwaltung erzeugen dabei völlig verschiedene Erfahrung. Erst wenn dieser Rahmen steht, sagen Leistungs- und Verhaltensbeurteilung überhaupt etwas aus.

Auch gesucht als: Kauffrau, Kaufmännischer Angestellter, Sachbearbeiter kaufmännisch, KV-Angestellte (Kaufmann EFZ)

Typische Aufgaben als Kaufmann

Diese Tätigkeiten gehören in den Aufgabenteil des Zeugnisses. Was dort fehlt, existiert für die lesende Person nicht.

  • Auftragsabwicklung von der Offerte über die Auftragsbestätigung bis zur Fakturierung im ERP-System
  • Debitoren und Kreditoren erfassen, Zahlungsläufe vorbereiten und das Mahnwesen bis zur letzten Mahnstufe führen
  • Geschäftskorrespondenz in Deutsch und Französisch sowie telefonische Auskunft an Kundschaft und Lieferanten
  • Belege kontieren, für die Buchhaltung aufbereiten und die Unterlagen für die Mehrwertsteuerabrechnung bereitstellen
  • Personaladministration unterstützen: Zeiterfassung, Spesenabrechnungen, Absenzen und Ferienguthaben nachführen
  • Stammdaten, Preislisten und Konditionen in ERP und CRM pflegen
  • Sitzungen organisieren, Traktandenlisten vorbereiten und Protokolle verfassen
  • Reklamationen aufnehmen, Gutschriften vorbereiten und den Fall bis zur Erledigung nachverfolgen
  • Empfang, Telefonzentrale und Postverarbeitung im Tagesbetrieb sicherstellen

Formulierungen im Arbeitszeugnis als Kaufmann

Beispielsätze mit der Note, die sie in der Schweizer Zeugnispraxis ergeben, und der Begründung dazu.

sehr gut

«Herr Muster wickelte die ihm übertragenen Aufträge jederzeit zu unserer vollsten Zufriedenheit ab, überwachte die offenen Posten eigenverantwortlich und behielt auch während des Jahresabschlusses sämtliche Fristen im Griff.»

«Jederzeit» und «vollste Zufriedenheit» ergeben zusammen die Bestnote 6. Kaufmännisch entscheidend ist der Rest des Satzes: Offene Posten und Jahresabschluss sind die beiden Belastungsspitzen des Bürojahres. Wer dort namentlich gelobt wird, hat die Bewertung an einem überprüfbaren Punkt verdient und nicht bloss eine freundliche Floskel erhalten.

gut

«Sie führte die Geschäftskorrespondenz in Deutsch und Französisch stets selbstständig, sprachlich sicher und im Ton unseres Hauses.»

«Stets» bescheinigt die Konstanz, «sicher» und «selbstständig» sind solide Wörter ohne Steigerung: eine gute Bewertung, keine sehr gute. In der Schweiz wiegt dieser Satz trotzdem schwer, weil zweisprachige Korrespondenz zu den Fähigkeiten gehört, die eine neue Arbeitgeberin vor der Anstellung nicht selbst überprüfen kann.

genügend

«Bei der Auftragserfassung arbeitete er im Grossen und Ganzen zuverlässig.»

«Im Grossen und Ganzen» ist eine Teilmengen-Angabe und damit eine gezielte Einschränkung. Ausgerechnet in der Auftragserfassung wirkt sie schwer: Jede falsch erfasste Menge oder Kondition wird zur falschen Rechnung und landet später als Reklamation oder Gutschrift auf demselben Pult. Personalverantwortliche lesen daraus eine Fehlerquote heraus.

ungenügend

«Sie war stets bemüht, die Fristen im Mahnwesen einzuhalten.»

«Bemüht» bescheinigt Anstrengung ohne Ergebnis und ist die bekannteste Abwertung überhaupt. Auf das Mahnwesen bezogen wird sie besonders konkret: Der Satz sagt, dass Mahnstufen liegen blieben und Ausstände zu lange offen waren. Das ist ein Punkt, an dem ein Betrieb unmittelbar Geld verliert, und wird entsprechend gelesen.

sehr gut

«Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Mitarbeitenden, Kundschaft und Lieferanten war jederzeit vorbildlich; vertrauliche Lohn- und Kundendaten behandelte sie ausnahmslos diskret.»

Im kaufmännischen Bereich reicht die übliche Aufzählung nicht: Lieferanten gehören dazu, weil Bestellungen und Konditionen über dieselbe Person laufen. Die ausdrückliche Aussage zur Diskretion ist der Ersatz für die Vertrauensfrage, die sich bei Zugriff auf Lohnlisten und Kundendaten jede neue Arbeitgeberin stellt.

Häufige Fallstricke im Zeugnis als Kaufmann

Branche und Abteilung fehlen im Aufgabenteil

«Kaufmännische Sachbearbeitung» beschreibt jede zweite Bürostelle der Schweiz. Ohne Branche, Abteilung und Angabe zu den bedienten Systemen kann niemand einschätzen, ob Sie im Treuhand, in der Sachversicherung, im Export oder auf einer Verwaltung gearbeitet haben. Genau diese Einordnung entscheidet, ob Ihre Erfahrung auf die ausgeschriebene Stelle passt, und sie ist der Teil des Zeugnisses, den Sie am leichtesten nachfordern können.

Diesen Zeugnis-Code nachlesen: «pauschale, generische Aufgabenbeschreibung»

Ehrlichkeit als Hauptlob statt einer Aussage zur Diskretion

Kaufmännische Angestellte sehen Lohndaten, Kundenadressen und Zahlungsverkehr. Deshalb braucht das Zeugnis eine ausdrückliche Aussage zu Vertraulichkeit und zum sorgfältigen Umgang mit anvertrauten Werten. Steht dort stattdessen nur, Sie seien pünktlich und ehrlich gewesen, füllt eine Selbstverständlichkeit den Platz der eigentlichen Bewertung. Bei einer Funktion mit Zugriff auf Geld und Daten fällt dieses Ausweichen besonders auf.

Diesen Zeugnis-Code nachlesen: «war stets pünktlich und ehrlich»

Die Fremdsprache wird eingeschränkt bescheinigt

«Die französische Korrespondenz erledigte sie in der Regel selbstständig» klingt harmlos und ist es nicht. Das eingeschobene Wort sagt: manchmal eben nicht. In einem viersprachigen Land, in dem Stelleninserate Sprachniveaus verlangen, kostet Sie ein solcher Halbsatz Bewerbungen, ohne dass Sie je erfahren, warum. Verlangen Sie eine klare Aussage zu Sprache und Einsatzbereich statt einer Andeutung.

Diesen Zeugnis-Code nachlesen: ««in der Regel», «meist», «grundsätzlich»»

Das ganze Zeugnis steht im Passiv

«Ihm wurden verschiedene Sachbearbeitungsaufgaben übertragen» statt «er übernahm die Auftragsabwicklung für den Exportmarkt»: Kaufmännische Zeugnisse kippen besonders leicht in diese Form, weil Sachbearbeitung ohnehin als zuarbeitend gilt. Häufen sich die Passivsätze, entsteht das Bild einer Person, die Aufgaben empfängt statt Prozesse führt. Aktive Formulierungen ändern daran viel und am Wahrheitsgehalt nichts.

Diesen Zeugnis-Code nachlesen: ««wurde eingesetzt», «wurden ihm übertragen»»

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Beginnen Sie beim Kopf des Dokuments: Stimmen Funktionsbezeichnung, Pensum und Dauer, und ist erkennbar, dass Sie nach der Lehre in einer anderen Rolle weitergearbeitet haben? Genau das geht am häufigsten verloren, wenn ein Betrieb das alte Lehrzeugnis als Vorlage nimmt. Prüfen Sie danach, ob die drei kaufmännischen Säulen je einen eigenen bewerteten Satz erhalten: Auftrags- und Finanzprozess, Korrespondenz sowie Umgang mit vertraulichen Daten. Kontrollieren Sie zuletzt, ob Software und Sprachen konkret benannt sind. Fehlt eine Säule ganz, fragen Sie dort zuerst nach.

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Häufige Fragen zum Arbeitszeugnis als Kaufmann

Was gehört in ein Arbeitszeugnis als Kaufmann zwingend hinein?

Funktion und Dauer, die Branche des Betriebs, das konkrete Aufgabengebiet mit den verantworteten Prozessen, eine Beurteilung von Leistung und Verhalten sowie eine Schlussformel. Nach Art. 330a OR haben Sie Anspruch auf ein wahres, vollständiges, klares und wohlwollendes Zeugnis. Vollständig heisst im kaufmännischen Bereich, dass die für die Stellensuche wesentlichen Angaben zu Prozessverantwortung und Selbstständigkeit nicht fehlen dürfen.

Dürfen die verwendeten Programme und Sprachkenntnisse im Zeugnis stehen?

Ja, und es lohnt sich, danach zu fragen. Ob Sie mit Abacus, SAP oder einer Branchenlösung gearbeitet haben und ob Sie französische Kundschaft selbstständig betreut haben, ist eine Tatsache über Ihr Aufgabengebiet und keine Bewertung. Solche Angaben sind für die Personalauswahl oft entscheidender als die Notenformel und lassen sich sachlich nachfordern.

Brauche ich nach der KV-Lehre ein zusätzliches Arbeitszeugnis?

Wenn Sie nach dem Abschluss im selben Betrieb angestellt bleiben, ist das eine neue Anstellung mit neuen Aufgaben. Üblich sind dann zwei getrennte Dokumente: eines über die Ausbildungszeit und eines über die anschliessende Tätigkeit als Kaufmann EFZ. Verlangen Sie das zweite ausdrücklich, sonst beschreibt Ihr Dossier später nur die Rolle als lernende Person.

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